Employer Branding ist eine Frage des Mindsets

Autorin: Nicole

Seit bald zehn Jahren unterstützt Michel Ganouchi Unternehmen dabei, deren Auftritt als Arbeitgeber zukunftsgerichtet, nachhaltig und wertig zu gestalten. Als Projektleiter mit Fokus Employer Branding hilft er zudem dem Kanton Zürich, sich als attraktiver Arbeitgeber auf dem Markt zu positionieren.

WeTalents: Wie fit sind Schweizer Firmen im Bereich Employer Branding?

Michel Ganouchi: Tatsächlich tut sich die Unternehmenswelt relativ schwer damit. Viele haben zwar verstanden, dass sie etwas tun müssen, die grosse Mehrheit ist dann aber doch hilflos, wenn es um eine konkrete Strategie geht. Das sieht man unter anderem daran, wie wenig Ressourcen für das Thema eingeplant werden. Wobei im Arbeitsmarkt auch immer der Leidensdruck eine grosse Rolle spielt: Gibt es genügend Bewerber:innen muss man sich ja nicht anstrengen. So die weitverbreitete Meinung.

Welche Ziele verfolgt ein erfolgreiches Employer Branding?

Das Employer Branding umfasst die strategische Grundlage, die Werte und Kultur eines Unternehmens und ist dann erfolgreich, wenn man jederzeit eine:n passende:n Mitarbeiter:in findet und für diese als Arbeitgeber relevant und attraktiv ist. Employer Branding – das vergessen viele – richtet sich aber nicht nur gegen aussen, sondern ist auch gegen innen enorm wichtig. Diesbezüglich sind KMU allein schon aufgrund ihrer Grösse in einer sehr guten Position.

Inwiefern?

Weil es in einem kleineren Betrieb für die Chefin einfacher ist, eine gute Beziehung zu den Mitarbeitenden zu pflegen, Begegnungszonen zu schaffen oder gemeinsame Momente während Firmenanlässen zu ermöglichen. All das trägt dazu bei, dass sich die Mitarbeiter:innen wohl und geschätzt fühlen. Tatsächlich machen das viele Unternehmen heute bereits intuitiv richtig. Es würde sich aber lohnen, das Employer Branding strategischer anzugehen.

Was also sollte eine Firma mindestens tun?

Statt viele Themen anzureissen, lohnt es sich, die Kapazitäten auf ein Thema zu fokussieren: zum Beispiel auf die bestehenden Mitarbeiter:innen. Engagierte und zufriedene Mitarbeiter:innen werden zu Markenbotschafter:innen und stärken das Unternehmen so auch nach aussen. Zudem rate ich jedem Unternehmen, eine aussagekräftige Firmenwebseite zu gestalten, die sich nicht nur an Kund:innen richtet, sondern auch zeigt, was das Unternehmen als Arbeitgeber zu bieten hat.

Das klingt nicht so schwierig.

Eigentlich nicht. Aber Schweizer:innen jammern gern. Ich hör seit Jahren, dass Unternehmen – vor allem für spezialisierte Jobs – keine geeigneten Kandidat:innen mehr finden. Gute Mitarbeiter:innen sind aber für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Wenn Angebot und Nachfrage in einem Missverhältnis stehen, muss man eben investieren. Das haben aber viele KMU noch nicht verstanden. 

Muss gutes Employer Branding denn teuer sein?

Absolut nicht. Vor allem dann nicht, wenn man den Fokus gegen innen richtet. Es geht viel eher um die Haltung. Es klingt banal, aber man muss Menschen mögen. Wie geht man mit Mitarbeiter:innen um, wie führt man sie, wie kommuniziert man mit ihnen? Das sind wichtige Themen. Wer gern zur Arbeit geht, hilft auch dabei, eine Vakanz zu besetzen, indem er oder sie beispielsweise geeignete Kandidat:innen aus dem eigenen Netzwerk vorschlägt.

Was aber ist mit nach aussen gerichtetem Employer Branding?

Auffallen kostet in der Regel Geld. Wobei man auch hierfür kein riesiges Budget benötigt. Viel eher geht es darum, die Candidate Journey zu verstehen. Üblicherweise googlet ein Talent nach der Firma und gelangt auf die Unternehmenswebseite. Dort soll die Kandidat:in die wichtigsten Informationen finden, vielleicht ein Video der Chefin oder des Lernenden, Testimonials von Mitarbeiter:innen oder einen Rundgang durchs Unternehmen. All das kostet kein Vermögen. Im Gegenteil: Das Letzte, was ein:e Kandidat:in sehen will, ist noch so ein Hochglanzvideo, das komplett austauschbar ist. Beim Employer Branding gehts um Authentizität und Kreativität! Sympathisch rüberkommen kostet nichts.

Wie also geht man das Thema an?

Alles beginnt mit dem richtigen Mindset. Sich dem Thema bewusst werden, innehalten, den Diskurs innerhalb des Unternehmens anstossen, sich gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen überlegen, was man da überhaupt macht, wie man es macht, warum man es macht, wie man sich differenziert, wofür man steht. Reflexion ist der Kern von allem.

Welche Tipps gibst du Firmen, um ihr Employer Branding zu verbessern?

Der Basisauftritt muss stimmen. Pfleg deshalb die Kontaktpunkte, über welche Talents mit deiner Firma in Berührung kommen. Stell wichtige und authentische Informationen auf deiner Karriereseite zur Verfügung, pflege deine Social-Media-Kanäle, eröffne ein LinkedIn-Profil, überprüf auf Kununu oder vergleichbaren Portalen Kommentare und Bewertungen zu deiner Firma. Zudem rate ich allen Recruitingverantwortlichen das eigene Stelleninserat zu lesen und sich zu fragen: Würd ich mich darauf bewerben? Oder ganz simpel ausgedrückt: Gib dir einfach ein bisschen Mühe. Das reicht häufig schon.

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